Ausstellung mouvements (de survie)
mouvements_de_survieweb.pdf
Document Adobe Acrobat 530.3 KB

Einführung der Ausstellung Mouvements (de survie)

von Mathias Beck

Sabine Hartmann ist im Saarland aufgewachsen und lebt heute nach einem Studium in Hamburg an der Hochschule für angewandte Wissenschaften im Fachbereich Gestaltung und einem Studium an der École supérieure des Beaux Arts de Toulouse als freischaffende Künstlerin in Paris.
„Dem Stil lyrischer Abstraktion fühle ich mich nahe, verwende jedoch oft geometrische Elemente, sowie Textfragmente.“, sagt sie, und weiter: „‚Kunst gibt es nur für und durch den anderen‘, sagte Jean-Paul Sartre, ich male meine Bilder für den Betrachter.“

Sabines Ausstellung, der Titel lautet Mouvements (de survie), übersetzt wie Bewegungen oder Manöver, um zu überleben. ist durch das Hinzufügen von zwei Düften zweigeteilt in erstens „Wind und Wolken“ und zweitens „Asche und Stein“ im zweiten Raum.
Während der Duft Wind und Wolken ein klarer ist, nicht ganz scharf, fast wie ein Parfum, ist Asche und Steine schwer, bedrängend.
Sabine beschreibt Wind und Wolken: Ein Duft in Türkis, wie eine Meeresbrise, Freiheit, Leichtigkeit und Weite. Asche und Stein: Ein Duft in Anthrazit, Schwere, Nostalgie und Dunkelheit.

Ich möchte in Ergänzung über etwas anderes sprechen, nämlich über das, was ich schon vor Jahren in Sabines Bildern bemerkenswert fand.
Anhand dieser Ausstellung nämlich lässt sich exemplarisch ablesen, was künstlerische Tradition ist und bedeutet.
Von Max Ernst stammt die Aufgabenbeschreibung aller Kunst: Nicht nach der Natur, sondern mit der Natur zu schaffen. Diese moderne Auffassung der Kunst ist die große Leistung der Romantik.

Wie komme ich angesichts der Lyrischen Abstraktion auf Romantik?
Zitat: „Bei der Lyrischen Abstraktion wurden statt der konstruktiven und geometrischen Elemente der Abstrakten Malerei, spontane Improvisationen und direkt künstlerisch umgesetzte Empfindungen eingesetzt.“
Ganz wichtig dabei ist auch, dass Rhythmik, Musikalität und eine Art Singen Ergebnis des Malprozesses ist.

Und hier behaupte ich, dass die Lyrische Abstraktion die Romantik fortgeführt, weiterentwickelt hat.
Ich weiß: Es gibt wohl kaum eine Kunstrichtung des 20. Jahrdts, die sich nicht in eine Beziehung zur Romantik setzen ließe. Aber nirgends so affirmativ, so weiterspinnend.
Die Romantik hat mit ihrer Klärung des Zwiespaltes zwischen der Innenwelt des Menschen und seiner Außenwelt, also dem, was er als Wirklichkeit empfindet, das 20. Jhrdt. nicht nur vorbereitet, sondern überhaupt erst ermöglicht.

Lassen Sie uns – der Kürze meines mehrstündigen Vortrages wegen - drei innere und äußere Welt beschreibende Motive der Romantik zur Hand nehmen:

In Bewegung, Unterwegs Sein,
welches einen dynamischen Aspekt zwischen Innenwelt (Heimat) und Außenwelt (Ferne) aufzeigt.
Schon Hartmanns Pinselduktus verweist darauf, aber auch manche Titelgebung, dass eine Quelle ihrer Inspiration, dass ihre Befindlichkeit als Künstlerin das Unterwegs Sein ist, und dass viele Gedanken auf dem Unterwegs Sein, nicht nur dem Reisen beruhen, die dann zu Bildern führen oder Themen: Migration behandelt den Flug der Zugvögel. Gleichwohl unterwegs kommt Sabine Hartmann im Malen wieder zuhause an.

Sehen und Träumen
Landschaft, Orte, auch Ereignisse, die Hartmann sozusagen auf ihrer Lebensreise besucht hat, wird in ihren Bildern mit Erinnerung und mit Erträumung kompiliert. Hier zb eine Hommage an die Trümmerfrauen in dem Zyklus „Die Stunde eins“.

Verweigern und Durchdringen
Sabine Hartmann: „Das Malen auf Metall ist für mich in folgender Hinsicht einzigartig:
„Über die glatte Metalloberfläche gleitet der Pinsel ohne Widerstand und durch die Spiegelung des Metalls ergeben sich Farbvariationen je nach Beleuchtung bei transparentem Farbauftrag. Die Chinatusche bietet mir dazu ein perfektes Schwarz.“

Betrachtet man sich die Technik ihrer Malerei, fällt auf, dass sie in ihren Bildern meisterlich mit dem Unterschied der Farbmittel arbeitet. In ihren Bildern ist das Ferne so luzide, von Licht durchdrungen, das Nahe so sehr massiv, monolithisch.
Überhaupt ist Sabine Hartmann in ihrer Farbigkeit eine ausgewiesene Vertreterin mediterraner Malerei. Fast alle ihre Bilder haben ein ursprünglich klares, fast stechendes Licht, das verwandte Rot oder Blau ist fast nie gedämpft, ohne jedoch dass die Bilder jenes wichtige Geheimnisvolle verlieren.
Dagegen blockt in „Autre rives“ – das andere Ufer – ein sattes Schwarz den Blick hindurch und lässt die Farbfelder wie kleine Fenster wirken.

Es gibt viele Künstlerinnen und Künstler, die die lyrische Abstraktion (man nennt es auch Orfismus wegen der innerwohnenden Musikalität) weitergeführt haben. Aus der lyrischen Abstraktion entstand ja zB auch das Informel. Ich kenne aber persönlich keinen Künstler, der die formalen Grundzüge dieser Stilrichtung so zeitgenössisch aufgefasst wie traditionell verwendet so durchhält wie Sabine Hartmann. Das führt bei mir zum Eindruck, dass diese Bilder schon vor 70 Jahren, heute – oder in 70 Jahren hätten entstanden sein können. Ich halte das für eine einzigartige künstlerische Position.

ein bisschen Kunst

 

 

http://www.antonygormley.com/sculpture/chronology-item-view/id/2226/page/265#p1

 
 
http://www.underwatersculpture.com/sculptures/overview/

 


http://katsuyoaoki.s1.bindsite.jp/Works.html

 

 
http://www.saigonocean.com/nghethuat/html/visualart.htm
 
 
http://www.latinamericanart.com/en/artworks/ivan-navarro-eternal-contradiction.html
 
ein bisschen Presse und web


 
http://www.artsblog.it/post/9371/primavera-con-sabine-hartmann

 

http://annachronique.blogs.nouvelobs.com/archive/2011/07/index.html


http://www.pfaelzischer-merkur.de/sz-berichte/merzig-wadern/Merzig-Wadern-Merzig-Malerin-Sabine-Hartmann;art2800,4010204
 
http://www.20h59.com/evenement/vincent-gabin-sabine-hartmann-expositions-dans-le-cadre-des-portes-d-or-centre-musical-fleury-goutte-d-or-barbara-paris-18-octobre-2012,442221

 

 

 

Critique par Ileana Cornea Paris mai 2010


karl m. in the mind
Émue et révoltée par le suicide de plusieurs employés de France -Télécom, 


Sabine Hartmann entame une série d’œuvres qu’elle a intitulée Karl M. in de mind.


Elle ne prendra pas le pinceau pour fustiger la cruauté d’une société abusive,


comme l’impétueux Goya et le terrible Picasso. Sa révolte n’as rien d’un cri démonstratif.
 
Elle met en marche d’autres rouages car ce qu’elle nous donne à voir
sont des images suggestives, c’est un étrange vrombissement.  
Sur des planches d’aluminium dont l’aspect gris et luisant grésille déjà à nos yeux,
elle imprime à l’huile, dans une technique

bien à elle,
des colonnes d’écritures, mécanismes, rouages et manuscrits.
On croit entendre les cliquetis des touches des anciennes machines à écrire,
le froissement du stylo sur la feuille vierge dans la chambre silencieuse d’un écrivain, le claquement des rouages en marche d’une imprimerie ou d’une manufacture, comme un murmure sourd qui se lève, dans un film en noir et blanc.
 
Mais dans ses toiles, la couleur palpite cependant, pâle et douce comme la lumière

d’une lampe de chevet. Des calligraphies à l’encre noire mystérieuses et insistantes

tel le langage d’un vol prophétique d’oiseaux rappellent
les lignes serpentines dans l’univers poétique de Kandinsky.
Sa démarche essentiellement conceptuelle nous fait oublier qu’au fond, à l’instar d’un Gustave Courbet, c’est du rapport de l’homme

engloutit par le système d’une société injuste dont elle nous parle.
 
Elle évoque le commencement de l’ère industrielle.
 La machine qui vibre accompagnant

la main et les bras de ceux qui travaillent
en usine. La lettre d’imprimerie accompagne la pensée de ceux
 qui réfléchissent, l’infrastructure et la superstructure, Sabine Hartmann rend hommage délicatement et poétiquement à la pensée sur la condition de l’être humain du philosophe allemand Karl Marx.



 

Bien entendu une peinture ne rend pas compte des choses de la même manière

qu’un pamphlet et qu’une caricature. Engagée ou pas, une peinture reste avant tout une œuvre d’art où la forme et le contenu entraînent la mémoire dans l’imaginaire, prenant

à partie l’intimité de notre subjectivité.  
“Nous avons besoin d’histoire », écrit Friedrich Nietzsche, mais nous en avons besoin autrement que le flâneur des jardins du savoir.”

Seuls les artistes et les poètes dépassent les circonvolutions de l’analyse. Le pouvoir évocatoire de leur art nous apporte à travers l’émotion l’ouverture sur un monde passé

qui annonce le futur. Pour éveiller le passé, la métaphore visuelle de Sabine Hartmann

est construite autour de la trace :Spur en allemand.

 

Sur le fond de ses toiles, parmi les écritures sibyllines que l’on descelle,

le questionnement que l’on a posé aux employeurs de France Télécom côtoie

les manuscrits de Karl Marx. La fonction de la trace comme métaphore
dans les œuvres de cette artiste allemande marque ce que Walter Benjamin appelle

“le rendez-vous tacite entre les générations passées et la nôtre”.
Les Karl M. in de mind de Sabine Hartmann ouvre subtilement une fenêtre

sur cette histoire invisible qui vit et agit en nous, et nous parle d’espoir.

Die Rheinpfalz Nr.26, Kultur Regional  1.Februar 2016

VIS à VIS

-Ausstellung von Sabine Hartmann und Christa Riedel in deren Frankenthaler Galerie-

Zu einem Vis à Vis, einem Treffen von Kunststoffplastiken und Ölmalerei, lädt Christa-Louise Riedel in ihre Art-ist-Galerie ein als Galeristin und als Künstlerin. Zu Gast als Gegenüber ist die in Frankenthal und Paris arbeitende, freischaffende Malerin Sabine Hartmann. 

Ausstellungsgast ist Sabine Hartmann. Die in Paris arbeitende Malerin arbeitet mit Öl und Chinatusche auf silbern schimmerndem Metall, das sie poliert, bis ein Licht-Schatten-Spiel entsteht, oder auch zerkratzt, sodass feine Linien eine Art Muster ergeben. Hartmann, die nach der Ausbildung zur Kommunikationsdesignerin in Toulouse Kunst studierte, zeigt in Frankenthal ausschließlich abstrakte, maltechnisch sehr dichte, mehrschichtige Arbeiten. Auf den ersten Blick sind es harmonische, ausgewogene Farbkompositionen, mal sehr dynamisch-lebendig, mal ruhig-mediativ. Einwenig fühlt man sich an Wassily Kandinsky erinnert, der seinen Farben und Formen Eigenschaften und Bedeutungen zuordnete.

Erkennbar sind starke deckende Farbschichten neben transparenten Farbflächen, geometrische und freie Formen, gerade, gebogene, schwungvoll gezogene Linien. Figürliche Einsprengsel, ein Rad, ein Kopf, ein Oberkörper, eine Nummer oder Schrift scheinen durch oder wirken wie geritzt oder aufgedruckt. Beherrschendes Element ist dabei oft schwungvolle Linie aus Chinatusche. Titel wie „Big Noise“ (großer Krach, nach einem Musikstück des Jazzmusikers Kyle Eastwood), „Rencontre“ (Treffen), „Arrivée“ (Ankunft) oder „Apesanteur“ (Schwerelos) führen den Betrachter gedanklich. Manchem mögen sie auch helfen, die Malerei zu entschlüsseln.
 

 

Christina Eichhorn